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5. Zweiter Säulensaal (Saal der Feiern)

'Lichtkanonen' im zweiten Säulensaal
'Lichtkanonen' im zweiten Säulensaal

Der zweite Säulensaal befindet sich zwischen dem Pronaos und dem Zentrum des Tempels. Er hat eine Länge von 37 Ellen und eine Breite von 26 Ellen und enthält zwölf Säulen. Außerdem enthält er Durchgangstüren zum äußeren Umgang.

In seiner Funktion diente er zur Vorbereitung für den täglichen Kult. Von hier aus wurden die Speise- und Tränkeopfer (vom Tempelbrunnen) ins Tempelinnere gebracht. Seine Namen lauteten : Ort-des-Vergnügens, Ort-der-Freude und Stätte-des Lustwandelns-von-Re-und-Horus. Dem Namen nach zu urteilen fanden in diesem Saal wahrscheinlich auch festliche Veranstaltungen statt.

6. Laboratorium

Das Laboratorium hat eine Länge von 10 Ellen und eine Breite von 4 Ellen. Es ist dekoriert mit Szenen, die die Arbeiten des sogenannten Herrn-der-Salbenwerkstätte beschreiben. Hierbei handelte es sich um einen Priester, der für die Zubereitung jeglicher Salben und anderer im Tempel benötigten Heilmittel und Ritualstoffe zuständig war. Außerdem trug er die Verantwortung für die in diesem Raum befindlichen Geräte und Zutaten.

Geräte im Laboratorium
Kessel
Kochstelle
Waage
Siebe (insbesondere das Schema-Sieb)
Mörser
Tücher
Sykomorenholz (zum Entfachen des Feuers)
Schalen und Krüge (für Aufbewahrung der Ingredenzien)
Kochlöffel (aus Holz des Christdorns)
Stöcke

Zutaten für ein Salböl
Tischepes-Öl (Johannisbrotbaum)
Asphalt
Sak-Weihrauch
Trockenmyrrhe
Dejerem
Süßrinde
Süßschilfrohr
Scheni-Früchte
Wacholderbeeren
Wein
Edelsteine (aus Schatzkammer) (Gold, Silber, Lapislazuli, echtem rotem Jaspis, echtem grünem Feldspat, echtem Türkis, echter Fayence, echtem Karneol)

7. Wasserspeicher (Gemach des Nils, Verbindungskammer)

Der Wasserspeicher verbindet den zweiten Säulensaal mit dem äußeren Umgang und hat eine Länge von 13 1/2 Ellen und eine Breite von 4 Ellen. Aus der Dekoration der Innenwände kann man entnehmen, daß dieser Raum zum Speichern von Wasser und zur Weihung von Trankopfern diente. Das für diesen Raum benötigte Wasser stammte aus dem nordöstlichen Tempelbrunnen.

Der Wasserspeicher enthielt einen Tranktisch, dessen Wasser dreimal täglich aufgefrischt werden mußte. Wasserholer (Sep-Seh-Priester) waren dafür zuständig, jedoch durften sie nicht den kürzesten Weg quer durch den Tempel nehmen, sondern mußten stets den äußeren Umgang entgegen den Uhrzeigersinn benutzen. Dies wahr wahrscheinlich nötig, um die wichtigen Kulte im Tempelinneren nicht zu stören.

Ein zweiter Priester (Vorsteher-des-ersten-Sitzes) mußte den Sep-seh-Priester ständig begleiten, denn dieser war für die Beweihräucherung des Wassers zuständig. Diese umständliche Prozedur war nötig, da man befürchtete, daß das geholte Wasser während des Transportes seine Reinheit verlor.

Vom Wasserspeicher aus ging ein dritter Priester (Darbringer-des-Libationswassers) mit einem (vollem) Krug Wasser zum Opfersaal, weihte dort den Krug vor Horus und schüttete es anschliessend in das Becken mit dem Namen : "Stets-voll-mit-Urwasser". [1]


[1] Der Name des Beckens war für den Priester wohl eher als eine Arbeitsanweisung zu verstehen.

8. Schatzkammer, Schatzhaus

Die Schatzkammer mißt 11 Ellen mal 4 Ellen und diente zur Verwahrung der Tempelschätze (Gold, Silber, Edelsteine und Schutzamulette). Seine beiden Namen lauteten : der-Vollkommene-Sitz und Spenderin-der-Speisen(?). Auf seinen Innenwänden sind Szenen mit den verschiedenen Bodenschätzen und dem jeweiligen Herkunftsort abgebildet. Das besondere an diesen Szenen ist, das die Berge als personifizierte Götter dargestellt sind, die dem Tempel ihre 'Schätze' als Opfer darbringen.

Edelstein oder -metall Name des Berges
Gold Cheba
Silber Kupi
Lapislazuli Tefreret [2]
Türkis Reschet
Smaragd Reschet, Chet
Jaspis Chem
Karneol Cheb
Granat Udenet
Gelenit (Bleiglanz) Menedjet


[2] Dieser Ort lag südlich des Kaspischen Meeres.

9. kleiner Verbindungsraum

Dieser Raum verband die zweite Vorhalle, den äußeren Umgang und die Schatzkammer.
Er ist 7 Ellen lang und 4 Ellen breit.
Seine Dekoration enthält Rituale für das Herbeibringen von Speiseopfer.

Als Quellliteratur wurde hauptsächlich verwendet:

Kurth, Dieter : Treffpunkt der Götter, Artemis & Winkler, 1998
Sauneron, Serge : Die letzten Tempel Ägyptens, Medea,