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Die Gründung eines Tempels

Der Neubau oder die Wiedererrichtung eines ägyptischen Tempels verlief immer auf ähnliche Weise.
Zuerst bestimmte man den Bauort des Tempels. Bei bebautem Gelände mußten störende Gebäude beseitigt werden, bevor man mit der Einebbnung des Grundes beginnen konnte.
Dann folgte die Festlegung der Gebäudeachse. Diese verlief meistens von Ost nach West oder von Nord nach Süd. Da es keine Hinweise dafür gibt, daß die Ägypter bereits den magnetischen Kompaß kannten, stellt sich die Frage, welche anderen Hilfmittel sie dafür verwendeten.

Aus den Inschriften des Edfu-Tempels und von anderen Tempeln her weiss man, dass die ägyptischen Baumeister den Verlauf der Himmelrichtungen durch astronomische Messungen bestimmten. Theoretisch müßte diese Methodik sogar genauer sein als die Kompaßmessung, da wir heute wissen, daß der magnetische nicht mit dem geographischen Nordpol übereinstimmt. Es ist sogar bekannt, daß der magnetische Nordpol im Laufe der Jahrzehnte 'umherwandert'.[1]

War die Gebäudeachse bekannt, so wurde diese mithilfe von Pfählen und einer langen Schnur festgehalten.
Nun begann man mit der Ausschachtung des Fundamentgrabens und füllte diesen anschließend mit Sand auf.
Damit der Tempelbau von Unglücken und Unfällen verschont blieb, wurden an den Ecken des Tempels Gründungsweihopfer eingegraben. Damit erhoffte man sich, die entsprechenden Götter zu besänftigen und aufzumuntern.
War das Fundament fertiggestellt konnte man endlich mit der Errichtung der Grundmauern anfangen.


[1] Der magnetische Nordpol wanderte von 1831 bis 1980 östlich der kanadischen Victoriainsel bis zu den Parry-Inseln und legte dabei eine Strecke von ca. 1500 km zurück (Diercke Weltatlas, Westermann-Verlag, 1996)

Als Quellliteratur wurde hauptsächlich verwendet:

Kurth, Dieter : Treffpunkt der Götter, Artemis & Winkler, 1998
Sauneron, Serge : Die letzten Tempel Ägyptens, Medea,