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Neues Reich

Man kann zu Recht sagen, dass sich der Tempelbau in Ägypten während der 18. und 19. Dynastie in einer regelrechten Blüte befand, denn die meisten bekannten Tempel stammen aus dieser Epoche.
Es war die Zeit der berühmten Bauherren wie z.B. Thutmosis III, Amenhotep III. und Ramses II., die sich durch ihre Werke ein Denkmal für die Ewigkeit gesetzt haben.


Säulenwald in Karnak
Ab Amenhotep I. begann jeder Pharao sich einen königlichen Totentempels in West-Theben zu bauen, aber auch andere Bauorte sind bekannt (Soleb, Memphis).
Andererseits gewann der staatliche Götterkult an Bedeutung und es kam ebenso zum Bau vieler wichtiger Göttertempel.
Reichshauptstadt war Theben, in der die meisten Tempel errichtet wurden, allen voran Karnak mit den grossen Tempeln der Göttertriade Amun, Mut und Chons.
Bei ständigem Neubau und Erweiterung muss vor allem Theben durchweg eine einzige Baustelle gewesen sein.
Wenn man sich die Millionen von Steinblöcke vorstellt, die bewegt und bearbeitet wurden, kann man die Bauleistung dieser Epoche eigentlich nur mit dem Bau der Pyramiden im Alten Reich vergleichen.

Zu den wesentlichen Neuerungen in der Tempelarchitektur zählte ersteinmal das Aufstellen zahlreicher Obelisken, insbesondere auf den Höfen von grösseren Tempeln, und das Anlegen von Prozessionswegen und Prozessionsstrassen, auf denen an bestimmten Tagen die Götterbarke mit einer Statue des Hauptgottes herumgetragen wurde.
Natürlich beinhaltete nun jeder Göttertempel selbst auch eine Barkenstation; ein kleiner Raum innerhalb oder ausserhalb des Tempels, im dem die Götterbarke auf einem Sockel abgestellt werden konnte.

Die Tempel an sich bestanden aus dünneren Wänden, was jedoch auch eine grösseren Raumweite bedeutete.
Insgesamt kam es zum Anlegen breiter Räume, Säulen waren im Gegensatz zu früherer Zeit häufiger im Inneren der Tempel zu finden.
Der ganze Bau, besonders Proportionen und Maße, basierten übrigens fortan auf exakte Vorausplannung, es sollte also nichts mehr dem Zufall überlassen werden.

Das Millionenjahrhaus
Wie schon in den Pyramidentempeln des Alten und Mittleren Reiches wurde der König in einem eigenen Totentempel kultisch verehrt.
Dieser sollte sich dort mit einer mächtigen Gottheit vereinigen und damit unsterblich werden.

Das ganze lief wohl so ab, dass die Statue des Gottes von einem Göttertempel mittels einer Barkenprozession zum Millionenjahrhaus gebracht wurde.
Anschliessend sollte sich dann das Ba des Königs durch eine Scheintür in der Rückseite des Sanktuars mit der betreffenden Gottheit vereinheitlichen.
Einzelheiten zu diesem Kult lassen sich sehr gut auf den Wandreliefs verfolgen, auf denen unter anderem auch die Überreichung der Millionenjahr-Palmrispen an den toten König dargestellt ist.

Mit dem Bau gigantischer Totentempel wird unter Amenhotep III. die Göttlichkeit, die der ägyptische Pharao einst im Alten Reich besass, wieder in den Mittelpunkt gerückt.
Die Bauten waren einst so angelegt, dass sie jederzeit durch Höfe, Kioske, Pylone und vorgelegten Säulenhallen von späteren Pharaonen erweitert werden konnten.
Dadurch, dass mehrerer Generationen an einem Bauwerk arbeiteten, entstanden nun auch riesige Tempelkomplexe wie z.B. in Karnak.


Der Totentempel von Hatschepsut und Thutmosis III. in Medinet Habu

Die letzten Überreste des Memnoneions.

Das Millionenjahrhaus von Ramses III. in Medinet Habu

Baupolitik unter Echnaton
Echnaton hat eigentlich erstmal nichts anderes getan als die Baupolitik seines Vaters Amenhotep III. fortzusetzen.
Das hiess, es kam zur Errichtung gewaltiger Tempelanlagen mit eher quadratischem Grundriss, langen Umfassungsmauern und entsprechend grossen Höfen.

Jedoch hatte der Atonkult seine Spuren hinterlassen und übte grossen Einfluss auf die Tempelarchitektur zu dieser Zeit aus.
Die Auswirkung von Echnatons intensiven Sonnenkult war jegliche Vermeidung von Finsternis und Schatten, denn nichts sollte mehr vor dem Sonnenlicht verborgen bleiben.
Dies wurde erreicht durch Verzicht auf kleiner und enger werdende Räume, auf Dachbau und auf bedrückende und schwerfällige Bausubstanz. Man gab den Bau von geheimen Kulträume auf und öffnete sich dafür dem Licht.

Pylone wurden nun zum Sonnentor umfunktioniert, indem man das Sonnenlicht von oben hindurchscheinen liess.
Auf dem Hofe waren viele kleine Nebenaltäre aufgereiht, auf denen dem Sonnengott Aton Opfergaben dargebracht wurden.
Im Zentrum stand ein erhöhter Altar, auf dem vermutlich Echnaton selbst tagtäglich die wichtigen Opferrituale durchgeführt hat.

Das bemerkenswerte an den Reliefs war, das sie unüblicherweise Szenen aus dem privaten Leben von Echnaton und seiner Familie darstellten und damit eine besondere Lebendigkeit besassen.
Diese wurde insbesondere durch bunte Steine, farbenreichem Glas und Fayence verstärkt.


Relief aus Tell el Amarna mit Echnaton und seiner Familie

der grosse Atontempel in Achetaton

Der Talkessel von Tell el Amarna

19. Dynastie
Hier entwickelte sich eigentlich erst der typisch ägyptische Tempel mit langgezogenem rechteckigem Grundriss, einengenden Räumen und schwerfälligen Säulenproportionen.
Im Gegensatz zu Amenhotep III. waren die Bauten von vorneherein in sich abgeschlossen und nicht dafür vorgesehen, durch spätere Pharaonen ausgebaut zu werden.
Zum regelmässigen Bestandteil von Vorhöfen gehörten fortan Statuenpfeiler, die den Pharao oder eine wichtige Gottheit darstellten.

Unter Ramses II. erreichte der Tempelbau dann seinen eigentlichen Höhepunkt.
Dieser Pharao baute die häufigsten Tempel und es gab kaum einen Ort in Ägypten, an dem er nicht irgendwo seine Kartuschen hinterlassen hatte.
Dabei muss man aber sagen, dass die Qualität seiner Architektur stark vernachlässigt wurde.
Das drückt sich unter anderem durch ungenauen Fugenabschluss und liebloser Ausarbeitung der Wanddekorationen aus und es wurden aussschliesslich versenkte Reliefs verwendet.
Dies ist aber ein Ergebnis von Rationalität, denn nur dadurch konnten in Rekordzeit so viele Tempel entstehen.


Ramesseum mit Osiris-Statuenpfeilern

Das Millionenjahrhaus von Sethos I. in Abydos

Hathortempel von Abu Simbel

Tempel in Nubien
Mit der neuen militärischen Vormachtstellung und dem Expansionsbestreben, vor allem unter Pharao Thutmosis III., war der Tempelbau nicht nur auf Ägypten allein beschränkt sondern fand auch auf fremdem Boden statt.
Natürlich gab es schon unter Sesostris III. im Mittleren Reich einige Bauprojekte in Nubien, jedoch waren diese nicht so zahlreich wie im Neuen Reich.
Vor allem in Nubien wurden nun ständig neue Tempel zu Ehren von Amun oder dem König gebaut, so z.B. in Gebel Barkal, Amara, Abu-Simbel und Soleb, aber auch die anderen Götter wurden nicht vernachlässigt.

Als Quellliteratur wurde hauptsächlich verwendet:

Arnold, Dieter : Die Tempel Ägyptens, Weltbild Verlag GmbH, 1996
Arnold, Dieter : Lexikon der ägyptischen Baukunst, Artemis & Winkler, 1994
Helck, Wolfgang : Kleines Lexikon der Ägyptologie, Harrassowitz, 1999