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Mittleres Reich

Die Ausübung des Königskultes, welcher vorrangig im Alten Reich war, musste nun mehr und mehr der wachsenden Bedeutung des Götterkultes weichen.
Ein entscheidendes Merkmal für die Tempel aus dem MR ist, dass religiöse und weltliche Architektur klar getrennt wurden.

Göttertempel
Mit Sesostris I. fingen die Pharaonen an, staatlich gelenkte Tempelbauprogramme zu starten.
Viele wichtige Steintempel wurden in dieser Zeit gebaut, so z.B. in Karnak, Elephantine, Esna, Koptos und Abydos.

Da im Neuen Reich und in der Spätzeit viele Göttertempel restauriert wurden, sind uns aus dem Mittleren Reich leider keine mehr komplett erhalten.
Aus den Tempelresten lässt sich allerdings schlussfolgern, dass nicht mehr ausschliesslich aus Ziegeln sondern auch aus Stein gebaut wurde.

Architektur
Auffällig in der Bauweise des Mittleren Reiches war, dass die einzelnen Räume im Tempel nicht mehr zueinander gruppiert waren, sondern sich nach der Tempelachse ausgerichtet hatten.
Der Naos (Götterschrein) bildete nun das zentrale Element des Tempels und es wurden erstmalig Pylone gebaut.[1]

Seit der 11.Dynastie sind auch Säulenreihen im und vor dem Tempel kaum noch wegzudenken.
Weiterhin ist das Innere des Tempels von der Aussenwelt durch eine hohe geböschte Aussenmauer abgetrennt.

Der Terassentempel des Mentuhotep in Deir el-Bahari
Als Prachtbeispiel für eine Königskultstätte oder generell für einen Tempel aus dem MR wird in der Literatur häufig Mentuhoteps(II.)-Felsentempel von Deir el-Bahari genannt.
Dies mag vielleicht auch damit zusammenhängen dass dies der Besterhaltenste aus jener Zeit ist.
Er hatte zugleich die Funktion eines Götter- als auch die eines Totentempels.


Tempel des Mentuhotep II. in Der el-Bahari

Der Kernbau, die 1200 m lange Auffahrtsstrasse und der Taltempel erinnern stark an den Aufbau eines Pyramidenbezirkes aus dem Alten Reich.
Wesentlich kennzeichnend an diesem Bau ist die, durch nach aussen verlegte Pfeilerhallen hervorgerufene Öffnung nach aussen und das Verwenden von Sand- statt Kalkstein.
Ausserdem diente nun ein Götterschrein des Amun gleichzeitig als Kultbild für den König, denn dieser lies sich als Inkarnation des Amun verehren.
Im Grunde genommen stellte dieser Bau bereits ein Vorbild für die Millionenjahrehäuser der 18.Dynastie dar.


[1] Bekannte Beispiele sind die Tempel von Mentuhotep und Mentuhotep III. im thebanischen Westgebirge und in Hermopolis.
Dieter Arnold, die Architektur des Mittleren Reiches in C. Vandersleyen, Propyläen Kunstgeschichte

Als Quellliteratur wurde hauptsächlich verwendet:

Arnold, Dieter : Die Tempel Ägyptens, Weltbild Verlag GmbH, 1996
Arnold, Dieter : Lexikon der ägyptischen Baukunst, Artemis & Winkler, 1994
Helck, Wolfgang : Kleines Lexikon der Ägyptologie, Harrassowitz, 1999
Vandersleyen : Propyläen Kunstgeschichte Ägyptens, Propyläen Verlag, 1975