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Altes Reich

Aus dem Beginn dieser Zeit (3. Dynastie) sind uns bereits Reste grösserer Ziegeltempel erhalten geblieben. Die wichtigsten von diesen sind in Abydos und Hierakonpolis zu finden. Bereits im Horustempel von Hierakonpolis sind die auch später verwendeten Grundraumelemente erkennbar : ein Erscheinungssaal, ein Raum für die Götteropfer, ein Raum für die Gastgötter und Statuenschreine.
Erwähnenswert ist auch der Pyramidenbezirk von Pharao Djoser, da hier aus Stein nachgebildete Reichsheiligtümer der Frühzeit aufgetaucht sind.

Pyramidentempel
Mit dem Bau der Pyramiden, genauer gesagt ab der Stufenpyramide von Pharao Snofru, wird damit begonnen, spezielle Opferstellen für den toten König an den Ostseiten der Pyramiden einzurichten, woraus sich dann die Pyramidentempel entwickelten.
Diese gehörten zum Standardbauprogramm jeder Pyramide und wurden sogar im Mittleren Reich übernommen.
Gleichzeitig entwickelte sich der Taltempel, ebenfalls ein typischer Bestandteil eines Pyramidenkomplexes.
Dieser war weiter östlich am Kanalufer zusammen mit einem Anlegeplatz plaziert und diente wahrscheinlich dazu, Götterbarken zu empfangen und Festrituale abzuhalten.[1]
Taltempel und Totentempel waren durch einen bis zu 1500m langen Aufweg verbunden.[2]


Pyramidenbezirk von Pharao Pepi II. nach G.Jéquier
vorne der Taltempel, im Hintergrund Totentempel und Pyramide

Sonnenheiligtümer
Seit der Sonnenkult im Alten Reich immer grössere Bedeutung gewann, begannen die Pharaonen sich neben ihren Pyramiden noch zusätzliche Sonnenheiligtümer zu errichten.
Diese dienten vor allem dazu, dass sich der tote König, der seit Djedefre den Titel "Sohn des Re" trug, mit dem Sonnengott selbst vereinigte.
Heute sind zwar nur noch zwei Heiligtümer erhalten geblieben [3], doch weiss man aus Inschriften, das es mindestens sechs Sonnenheiligtümer gegeben haben muss, allesamt Königen der 5.Dynastie zuzuordnen.
Als Beispiel für den Aufbau eines Sonnenheiligtums wird stets das Bessererhaltene des Niuserre verwendet :


Das Sonnenheiligtum des Niuserre rekonstruiert

Vieles erinnerte an den Aufbau eines Pyramidentempels:
Ein Taltempel war durch einen Aufweg mit dem Rest des Tempels verbunden.
Statt einer Pyramide als zentralen Bau stand auf einem Sockel ein mächtiger Obelisk aus Granit.
Davor, im Zentrum des gesamten Bezirkes, stand ein zu allen Himmelsrichtungen offener Altar, auf dem wahrscheinlich zu Sonnenauf- und untergang dem Sonnengott geopfert wurde.

Nach dem Ende der 5.Dynastie hörten die Pharaonen damit auf, Sonnentempel zu bauen.
Erst im Neuen Reich wurde wieder damit begonnen, Stätten für den Sonnenkult zu errichten.
Es entstanden die sogenannten "Re-Schatten" (Schut-Re) und die grossen Sonnentempel aus der Amarnazeit (Karnak, Amarna).
Auch in der Nähe der "Millionenjahrhäuser" wurden kleinere Sonnenkultstätten gebaut.

Sonnenheiligtümer der 5.Dynastie
Pharao Bezeichnung Bedeutung
Userkaf nxn ra Festung des Re
Sahure sxt ra Feld des Re
Neferirkare st jb ra Freude des Re
Neferefre Htp ra Opfer des Re
Niuserre Ssp jb ra Lustort des Re
Menkauhor 3xt re Horizont des Re
Anmerkung : Markierte Sonnenheiligtümer wurden noch nicht gefunden sondern nur inschriftlich erwähnt.


[1] Im Gegensatz zu Helck sieht Arnold die Rolle des Taltempels als Balsamierungsstätte für nicht mehr haltbar.
Arnold, Lexikon der ägyptischen Baukunst
[2] Der längste Aufweg ist der des Djedefre mit 1500m (ca. 2857 Ellen) Länge. Es folgen Unas mit 666m (ca. 1269 Ellen) und Cheops mit 616 m (ca. 1173 Ellen).
[3] Bisher wurden nur die Sonnentempel des Niuserre und des Userkaf ausgegraben, von den restlichen vier fehlt jede Spur.

Als Quellliteratur wurde hauptsächlich verwendet:

Arnold, Dieter : Die Tempel Ägyptens, Weltbild Verlag GmbH, 1996
Arnold, Dieter : Lexikon der ägyptischen Baukunst, Artemis & Winkler, 1994
Haase, Michael : Im Zeichen des Re, Herbig-Verlag, 2000
Helck, Wolfgang : Kleines Lexikon der Ägyptologie, Harrassowitz, 1999