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Altägyptische Tempel

Ägypten - Der Tempel der Welt
Ägypten galt in der späten Antike als "das allerheiligste Land" und "der Tempel der Welt".
Diesen Titel trug es zu Recht, denn das Land am Nil war zu dieser Zeit bestückt mit einer Vielzahl von Tempeln; kaum ein Ort oder eine Stadt, in der nicht ein oder mehrere grösserere Tempel standen.
Schuld daran waren bauwütige Pharaonen, die nichts anderes zu tun hatten, als neue Tempel zu gründen, bestehende Tempel zu erweitern oder alte Tempelruinen restaurieren zu lassen, um in die Ruhmeshalle der grössten ägyptischen Bauherren aller Zeiten einzugehen.

Die Wohnstätten der Götter
Doch was war nun eigentlich der Hauptzweck eines Tempels?
Tempel im alten Ägypten dienten meist als Wohnhaus für eine bestimmte Gottheit.
Gut aufbewahrt und versteckt vor Blicken gewöhnlicher Leute, lebte diese als Geist in einer Götterstatue tief im Allerheiligsten des Tempels.
Nicht selten residierten dort auch andere Götter, die in irgendeiner Art und Weise in Beziehung zum Hauptgott standen, z.B. zu seinem engeren Familienkreis gehörten.

Um den Kult der Götter zu pflegen und die nötigen Rituale durchzuführen, lebten und arbeiteten natürlich auch eine Vielzahl von ägyptischen Priester (wörtlich "die Reinen" und "die Gottesdiener") dort.
Diese pflegten die Statuen, führten die täglichen Opfer durch und organisierten die alljährlichen Götterfeste.

Die Macht der Tempel
Für die Bevölkerung waren grössere Göttertempel ein ziemlich wichtiger Arbeitgeber.
Im Amun-Tempel in Karnak sollen laut dem Papyrus Harris gegen Ende des Neuen Reiches 81322 Leute gearbeitet haben.
Sicherlich waren ein Grossteil davon Handwerker und Bauern, denn die Tempel besassen jede Menge Ländereien, die verwaltet und bewirtschaftet werden mussten.
Dieser Besitz stammte meist aus Schenkungen vom König und somit wanderte immer mehr Land vom Staat an die Priester.
Letztendlich wurde die Macht der Tempel in der 21.Dynastie so gross, dass nun die Herrschaft über Ägypten von einem Hohepriester namens Herihor ausgeübt wurde.[1]

Andere Tempeltypen
Neben dem traditionellem Göttertempel gab es aber auch Tempel, in denen mehr der Kult des Königs im Vordergrund stand.
Diese werden Kulttempel oder Totentempel genannt und waren vor allem im Alten Reich und in der Frühzeit vorrangig.
Im Gegensatz zum Göttertempel stand der Kult des Königs im Mittelpunkt, welcher dem Götterkult sehr ähnelte. Der einzige Unterschied war, dass nicht der Geist eines Gottes, sondern der des (toten) Pharaos Platz in der Statue nahm.
Ferner gab es noch Sonnentempel, Felsentempel, Umgangstempel und Grabtempel.

Egal um welchen Typ von Tempel es sich nun handelte, eines hatten allesamt gemeinsam: Sie waren sehr vielfältig in ihrer Form, ihrem Aufbau und ihrer Grösse.
Abhängig davon wie bedeutend eine Gottheit im ägyptischen Pantheon war (Lokalgottheit oder Staatsgottheit?), wie gross und wichtig die Stadt war (Reichshauptstadt oder Provinzstadt?), in der der Tempel stand und in welcher Epoche gebaut wurde, konnte er sich von einem einfachen Tempelhaus bis hin zu einem riesigen Tempelkomplex entwickeln.


Der Luxor-Tempel


[1] Dieser war allerdings auch oberster Herrführer von Ober- und Unterägypten und stammte vermutlich aus Libyen.
Quelle : Thomas Schneider, Lexikon der Pharaonen

Als Quellliteratur wurde hauptsächlich verwendet:

Arnold, Dieter : Lexikon der ägyptischen Baukunst, Artemis & Winkler, 1994
Assmann, Jan : Ägypten - Eine Sinngeschichte, Fischer, 2000
Gahlin, Lucia : Ägypten - Götter, Mythen, Religionen, Edition XXL GmbH, 2001
Helck, Wolfgang : Kleines Lexikon der Ägyptologie, Harrassowitz, 1999
Wilson, Hilary : Hieroglyphen lesen, dtv, 2000