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Regeln für das Leben im Tempel

Bedeutung
Eine Inschrift des Edfutempels handelt von den Vorschriften und Verboten für die dort arbeitenden Priester. Diese Regeln waren äußerst streng und sollten für das ruhige und geordnete Zusammenleben im Inneren des Tempels sorgen.

Die Regeln
Zur wichtigsten Regel gehörte, daß jeder Priester vor dem Betreten des Tempels sich im Heiligen See körperlich reinigen mußte. Hatte ein Priester den Tempel betreten so sollte er sich fortan ruhig und diszipliniert verhalten, d.h. er durfte nicht laut schreien oder herumrennen. Auch das Singen war, ausgenommen bei festgelegten Hymnen, ausdrücklich verboten.

Weitere Regeln sollten den respektvollen Umgang der Priester untereinander gewährleisten. Es war z.B. nicht erlaubt jemanden anzulügen, zu verleumden oder etwas aus dem Tempel zu stehlen. Über die Geschehnisse im Tempel sollte übrigens absolute Verschwiegenheit herrschen, d.h. außerhalb durfte niemand etwas über das Innenleben des Tempels erzählen.

Gegessen durften nur zugewiesene Speisen, das Vergehen an die für Opfer bestimmte Nahrung wurde hart bestraft. Ebenso wurde bemerkt, daß Priester keine Bestechungen annehmen oder Inventar- und Abgabelisten fälschen durften, was anscheinend des öfteren schon einmal vorkam. Anscheinend ist es auch häufiger vorgekommen, daß neue Priester von den Älteren ausgenutzt wurden, denn auch dies wurde ausdrücklich untersagt.

Die Priester wurden verpflichtet Ritualhandlungen stets bedacht auszuführen und zeitlich einzuhalten. Ritualsprüche mußten wie vorgeschrieben gesprochen und durften nicht etwa abgekürzt werden. Gesprochene Eide sollten selbstverständlich eingehalten werden.

Zu den kuriosesten Regeln gehörte, daß das Betreten der Abteilungen, die für Frauen vorgesehen waren, für männliche Priester audrücklich verboten wurde und das im Tempel keine privaten Feste veranstaltet werden durften. Ebenso war es nicht erlaubt, betrunken durch den Tempel zu laufen (oder überhaupt sich zu betrinken).

Interpretation
Interessanterweise könnte man aus einigen speziellen Regeln bestimmte Lebensweisen der Priester ableiten. Denn häufig ist es so, daß Verbote erst dann benannt werden, wenn Verstöße schon einmal stattgefunden haben und die Ordnung des Tempels dadurch gestört wurde.

Manche Regeln lassen erkennen, daß sich das Verhalten der Menschen zur damaligen Zeit nur wenig von dem der heutigen unterschied.

Als Quellliteratur wurde hauptsächlich verwendet:

Kurth, Dieter : Treffpunkt der Götter, Artemis & Winkler, 1998
Sauneron, Serge : Die letzten Tempel Ägyptens, Medea,