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Die Einweihung des Tempels

Das Ritual von der Tempeleinweihung diente zur Belebung des Tempels als Gottheit und wurde wahrscheinlich in bestimmten Zeitabständen wiederholt, fand vielleicht sogar jährlich statt.

Während des Rituals wurden verschiedene Zeremonien durchgeführt, die allsamt zur Aufgabe hatten, die Götterbilder des Tempels zu "beseelen". Man befürchtete daß die innewohnenden Götter mit der Zeit ihre Statuen verließen, wenn man diese nicht nach einer gewissen Zeit heiligte.

Das Mundöffnungsritual am Tempel
Selbst der Tempel wurde als Gott verehrt (mit dem Namen Thronsitz-des-Horus).
Inschriften an den Tempelwänden bezeugen, daß man das Mundöffnungsritual auch am Tempel durchführte. Dieses wurde normalerweise an Toten praktiziert und sollte für deren Wiederbelebung dienen.

Die meisten Ritualhandlungen wurden am Haupttor des Pronaos und an den Türen der Kapellen vollzogen (diese galten stellvertretend als Mund und Augen des Tempels). Geleitet wurde das Ritual angeblich von einem Thot-Priester, da Thot ja auch als der Erbauer des Tempels galt.

Zuerst öffneten der Ptah-Priester und der Sokar-Priester den Mund und die Augen des Tempels (symbolisch) mit ihren Meißel. Dann köpfte man eine Nilgans und eine Ziege, schlachtete mehrere Rinder und drehte den Hals mehrerer Gänse um.

Anschließend wurden Opfergaben bestehend aus Brot, Rindfleisch und Bier dargebracht und die Tore des Tempels geöffnet. Auch die Kapellen vergaß man nicht mit Wasser und Weihrauch zu säubern.

Einweihung des restlichen Tempels
Man weihte den Rest des Tempels indem man überall Wasser, Natron und Weihrauch versprengte. An einigen Stellen wurde sogar Weihrauch verbrannt, so daß die gesamte Luft von dessen Geruch erfüllt war.
Auch die restlichen Götterstatuen beweihräucherte man. Auf die Altäre wurden verschiedene Opferspeisen gelegt, bevor man wieder den Tempel mit Wasser und Weihrauch reinigte.

Einweihung der Horusstatue
Die Einweihung der Horusstatue im Naos war nichts weiter als die Ausführung der täglichen Prozeduren des Morgendienstes.
Von der Statue säuberte man zuerst den Mund und die Augen. Dann setzte man dieser das Nemes-Kopftuch auf und salbte sie ein. Anschließend legte man der Statue das Netjeri-Gewand und den Halskragen an.
War die Statue vollständig gekleidet, wurde sie mit Wasser und Weihrauch besprengt. Zum Schluß bot man der Falkenstatue Opferspeisen dar.

Als Quellliteratur wurde hauptsächlich verwendet:

Kurth, Dieter : Treffpunkt der Götter, Artemis & Winkler, 1998
Sauneron, Serge : Die letzten Tempel Ägyptens, Medea,