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Geschichtlicher Hintergrund zum Bau des Edfutempels

Die Herrschaft der Ptolemäer
Der Neubau des Edfutempels fällt in die Zeit der ptolemäischen Herrschaft in Ägypten. Die Ptolemäer bildeten eine makedonische Dynastie, die nach dem Tode Alexanders des Großen im Jahre 323, 300 Jahre lang über Ägypten herrschte.

Diese Zeit begann mit unüberschaubar vielen Kriege (u.a. die Diadochenkriege und die syrischen Kriege) im Mittelmeerraum, an denen auch Ägypten maßgeblich beteiligt war und sich als eines der führenden Mittelmeermächte behauptete. Ägypten konnte zu jener Zeit auch mehrere Ländereien erobern, so z.B. Zypern, Syrien und Phönikien.

Wirtschaftlicher Aufschwung
Ein einheitliches Münzsystem führte dann auch zum wirtschaftlichen Aufschwung Ägyptens. Unter Ptolemäos II. und III. wurden darüberhinaus mehrere Stützpunkte am Roten Meer gebaut und neue Handelrouten eingerichtet (u.a. sogar bis nach Indien).

Auch kam es zum Neubau vieler Tempel wie z.B. in Philae, Dendera, Elephantine, Koptos, Esna und Kom Ombo. Das neugegründete Alexandria entwickelte sich zum wissenschaftlichen und kulturellen Zentrum Griechenlands. 238 v.Chr. führte das sog. Kanopusdeskret zu einer Kalenderreform, die zum ersten Mal die Einschiebung eines Schalttages in vierjährlichem Abstand vorsah.

Ägypten erlebte (auch wenn unter Fremdherrschaft) unter Ptolemäos III. seinen wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Höhepunkt. Seit Ptolemäos IV. unterhielt Ägypten freundschaftliche Beziehungen zu Griechenland und versuchte sich außenpolitisch neutral zu halten.

Aufstand in Oberägypten
In den letzten Jahren von Ptolemäus.IV (206-200) kam es in Oberägypten zu einem Aufstand, bei dem sich ein Anführer namens Harwennefer zum Gegenkönig ernannte. Zu diesem Zeitpunkt wurden auch die Arbeiten am Edfutempel unterbrochen.

Römische Provinz
Nach dem Aufstieg des römischen Reiches in der Weltpolitik verlor Ägypten unter Ptolemäos V. viele auswärtige Besitzungen und allmählich seine Bedeutung im Mittelmeerraum. Im Jahre 185 v. Chr. konnte wenigstens die Kontrolle über Oberägypten wieder zurückerlangt werden. Unter Ptolemäus VI. und VIII. erreichte Ägypten dann auch seinen letzten baupolitischen Höhepunkt.

Trotzdem wurde ab diesem Zeitpunkt Ägypten immer weiter geschwächt (u.a. auch durch innenpolitische Aufstände und einem inkompetentem Herrschergeschlecht) und der schleichende Untergang des Ptolemäerreiches und damit auch Ägyptens war nicht mehr aufzuhalten.

Zum Zeitpunkt der Einweihung des Horustempels in Edfu war Ägypten schon auf dem bestem Wege zur römischen Provinz. Hinzu kamen mehrere Hungersnöte und Seuchen, welche eine zusätzliche Belastung für die ägyptische Bevölkerung darstellten.

Als Quellliteratur wurde hauptsächlich verwendet:

Schneider, Thomas : Lexikon der Pharaonen, Albatros Verlag, 2002