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Geschichte der Entdeckung des Edfutempels

Mit Sand zugeschüttete innere Säulenhalle.
Mit Sand zugeschüttete innere Säulenhalle

Erste Kontakte
Edfu und andere ägyptische Sehenswürdigkeiten waren, vor der Erforschung durch die Ägyptologie, dem Rest der Welt keineswegs unbekannt.
Bereits 1589 soll ein Venezianer dem Horustempel einen Besuch abgestattet haben. Auch in den Reisetagebüchern von anderen europäischen Touristen wurde Edfu Anfang des 18. Jahrhunderts immer häufiger erwähnt.

Bis zu dieser Zeit war der Tempel bis zur Decke mit Sand und Schutt gefüllt. Wie man auch zahlreichen Zeichnungen entnehmen kann, wurde der Tempel ständig von einheimischen Arabern bewohnt, die sogar auf dem Tempeldach ihre Lehmhütten bauten.

Napoleons Expedition
1799 erreichte die berühmte französische Expedition unter der Führung von Napoleon Edfu. Eigentliches Ziel der Expedition war es, eine französische Kolonie in Nordafrika zu finden. Aber die Engländer kamen Napoleon zuvor, so daß die Expedition zum Fiasko wurde. Die französische Armee wurde gefangen genommen und 200 französiche Schiffe vom englischen General Nelson bei Abukir versenkt.

Louis Francois Lejeune:Bataille des Pyramides
Louis Francois Lejeune:Bataille des Pyramides

Für die Wissenschaften jedoch war diese Expedition ein Erfolg, denn sie läutete die Geburtsstunde der modernen Ägyptologie ein. Viele Wissenschaftler und Künstler begleiteten Napoleon auf seiner Expedition durch Ägypten. Zahlreiche Zeichnungen von Edfu und anderen ägyptischen Bauwerken tauchten im später von Napoleon veröffentlichen Werk Description de l'Egypte auf.

Mariette

Zugänglich gemacht wurde der Tempel 1860 vom bedeutenden französischen Ägyptologen Auguste Mariette. Dieser handelte im Auftrage des damaligen Vizekönigs von Ägypten, welcher sich das Ziel gesetzt hatte, den Edfutempel der Wissenschaft zugänglich zu machen.

Mariette ließ sämtliche Lehmbauten auf dem Dach und an der Außenmauer abreißen. Der Sand, welcher bis dato den Tempel füllte, wurde in mühevoller Arbeit über die Jahre hinweg entfernt.

Fortan tauchten Szenen und Inschriften aus dem Horustempel in vielen ägyptischen Sammelbänden der damaligen Zeit auf, z.B. von Champollion, Rosellini, Lepsius, Dümichen, De Rouge, Pieht, von Bergman und Naville.

Rochemonteix und Chassinat
Jedoch wurden aufgrund des enormen Materials nie alle Szenen, sondern nur ein Bruchteil erfasst. Der erste Ägyptologe, der beauftragt wurde, alle Inschriften des Edfutempels zu kopieren, war Maxence Rochemoneix. Dieser fing seine Arbeit Februar/März 1876 an, konnte sie jedoch nicht mehr zu Ende bringen, da er frühzeitig starb.

Emile Chassinat, ein weiterer französicher Ägyptologe, setzte dessen Arbeit fort. Chassinat konnte dank modernster Technik nun Teile der Tempelwände abfotographieren, was das Kopieren der Inschriften wesentlich erleichterte. Zwischen 1896 und 1934 wurden ganze 14 Großbände von ihm herausgegeben. Diese enthielten auf 600 Bildtafeln ausgewählte Szenen und auf 3000 Druckseiten sämtliche Hieroglyphentexte, welche bis heute noch die Grundlage für die Übersetzung der Texte bildet. Denn noch längst sind nicht alle Texte dieser Bauwerks übersetzt worden.

Als Quellliteratur wurde hauptsächlich verwendet:

Helck, Wolfgang : Kleines Lexikon der Ägyptologie, Harrassowitz, 1999
Kurth, Dieter : Treffpunkt der Götter, Artemis & Winkler, 1998
Néret, Gilles : Description of Egypt, Taschen, 2001
Sauneron, Serge : Die letzten Tempel Ägyptens, Medea,